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Messunsicherheit & Kalibrierung.

Warum kein Messwert absolut exakt ist, was „Messunsicherheit" bedeutet und warum die Temperatur dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Messtechnik · Grundlagen

„20,00 mm" klingt nach einer eindeutigen Tatsache. In Wahrheit ist jeder Messwert eine sehr gute Schätzung – nie ein absolut exakter Wert. Jede Messung trägt eine gewisse Unsicherheit in sich, und ein seriöses Messergebnis benennt diese Unsicherheit mit. Dieser Beitrag erklärt verständlich, was hinter den Begriffen Messunsicherheit, Rückführbarkeit und Kalibrierung steckt – und warum in der Messtechnik so viel Wert auf konstante 20 °C gelegt wird.

Warum ist kein Messwert exakt?

Jede Messung wird von vielen kleinen Einflüssen überlagert: die Genauigkeit des Messgeräts, die Umgebungstemperatur, die Sauberkeit und Form des Bauteils, die Antaststrategie, sogar die Person, die misst. All diese Faktoren führen dazu, dass eine Wiederholungsmessung nie hundertprozentig denselben Wert liefert. Das ist kein Fehler, sondern eine physikalische Realität. Die Kunst der Messtechnik besteht darin, diese Einflüsse zu kennen, klein zu halten und ihre Größe abzuschätzen.

Was bedeutet „Messunsicherheit"?

Die Messunsicherheit ist eine Kennzahl, die angibt, in welchem Bereich der „wahre" Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. Ein Ergebnis wird deshalb sinnvollerweise nicht als einzelner Wert, sondern als Wert mit Spanne angegeben – zum Beispiel „20,00 mm ± 0,01 mm". Erst diese Angabe macht ein Messergebnis vollständig bewertbar.

Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei verwandten Begriffen:

Hinweis: Dieser Beitrag erklärt die Begriffe allgemein verständlich. Die fachlich korrekte Ermittlung von Messunsicherheiten folgt anerkannten Regelwerken (z. B. dem „Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement", GUM, sowie einschlägigen ISO- und VDI/VDE-Richtlinien). Die konkrete Unsicherheit hängt immer von Bauteil, Merkmal, Verfahren und Randbedingungen ab und wird fallbezogen bestimmt.

Rückführbarkeit – die ununterbrochene Kette

Damit ein Messwert überhaupt vergleichbar und vertrauenswürdig ist, muss er rückführbar sein. Rückführbarkeit bedeutet, dass sich das Messergebnis über eine lückenlose Kette von Vergleichen bis auf ein nationales oder internationales Normal zurückverfolgen lässt – letztlich auf die Definition der Maßeinheit Meter. Vereinfacht gesagt: Jedes Messgerät wird gegen ein genaueres Normal geprüft, dieses gegen ein noch genaueres, und so weiter bis zur höchsten Referenz. Erst diese Kette stellt sicher, dass ein in Augsburg gemessener Millimeter demselben Millimeter anderswo entspricht.

Kalibrieren, justieren, prüfen – nicht dasselbe

Die drei Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches:

BegriffBedeutung
KalibrierenFeststellen und Dokumentieren, wie stark ein Messgerät von einem Normal abweicht – ohne das Gerät zu verändern. Das Ergebnis hält ein Kalibrierschein fest.
JustierenAktives Einstellen des Geräts, um eine festgestellte Abweichung zu verringern. Ein Eingriff also – im Gegensatz zum reinen Kalibrieren.
PrüfenFeststellen, ob ein Merkmal eine vorgegebene Anforderung erfüllt – die eigentliche Aussage „in Ordnung" oder „nicht in Ordnung".

Warum bei 20 °C? Der Temperatureinfluss

Metalle und viele andere Werkstoffe dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen. Schon wenige Grad Temperaturunterschied können bei größeren oder präzisen Bauteilen eine messbare Längenänderung bewirken. Damit Messungen weltweit vergleichbar sind, gilt international eine Referenztemperatur von 20 °C als Bezugspunkt. Aus diesem Grund werden Präzisionsmessungen in temperierten Messräumen durchgeführt, und Bauteile sollten sich vor der Messung an die Raumtemperatur angleichen (akklimatisieren). Ein Werkstück, das gerade aus der Fertigung oder von draußen kommt, liefert sonst verfälschte Werte.

Was heißt das für Ihre Bauteile?

Für die Praxis bedeutet das: Eine Messung ist erst dann wirklich aussagekräftig, wenn klar ist, unter welchen Bedingungen und mit welcher Unsicherheit sie entstanden ist. Eine geforderte Toleranz lässt sich nur dann sicher bewerten, wenn die Messunsicherheit deutlich kleiner ist als die Toleranz selbst. Genau deshalb gehören saubere Randbedingungen, kalibrierte Geräte und nachvollziehbare Auswertung zu einer belastbaren Koordinatenmessung – etwa im Rahmen einer Erstbemusterung.

Messunsicherheit & Kalibrierung bei 3DMT

Wir arbeiten mit rückführbar kalibrierten Messmitteln, achten auf definierte Messbedingungen und dokumentieren unsere Ergebnisse nachvollziehbar – passend zu unserem Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001. Welche Genauigkeit für Ihr Bauteil sinnvoll und erreichbar ist, besprechen wir offen mit Ihnen.

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Wir beraten Sie zu Verfahren, Randbedingungen und realistisch erreichbarer Genauigkeit für Ihr Bauteil.

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